Kürzlich sagte jemand zu mir:
„Das Leben ist nun mal nicht Disney.“

Und ich habe in dem Moment gemerkt, wie sehr mich dieser Satz beschäftigt.
Nicht, weil er besonders laut oder dramatisch war, sondern weil er so selbstverständlich klingt. Fast wie eine Wahrheit, die man nicht mehr hinterfragt.

Und genau das hat mich stutzig gemacht.

Warum glauben wir das eigentlich so schnell?
Warum fühlt sich dieser Satz so „richtig“ an, obwohl er uns gleichzeitig etwas nimmt?

Disney steht für viele für Märchen. Für Fantasie. Für etwas, das zu schön ist, um wahr zu sein. Für eine Welt, die mit dem echten Leben angeblich nichts zu tun hat. Und genau deshalb grenzen wir es innerlich aus.

Wir sagen uns: So ist das Leben eben nicht.

Aber wenn ich genauer hinschaue, frage ich mich, ob wir damit nicht etwas vorschnell wegschieben, das eigentlich viel näher an unserem Leben ist, als wir denken.

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Wenn man sich diese Geschichten einmal nüchtern anschaut, dann geht es darin selten um Perfektion oder eine heile Welt. Es geht um Themen, die uns alle betreffen – unabhängig davon, wie unser Alltag aussieht.

Es geht um Liebe.
Um den Wunsch, gesehen und verstanden zu werden.
Um Entscheidungen, die nicht leicht sind.
Um den Mut, den eigenen Weg zu gehen, obwohl Zweifel da sind.
Es geht um Berufung, um Erfolg, um das Gefühl, am richtigen Platz zu sein. Und auch um Geld, Sicherheit und die Frage, wie wir eigentlich leben wollen.

Das alles ist nicht weit weg von unserer Realität. Im Gegenteil.

Und trotzdem behandeln wir genau diese Themen oft so, als wären sie für uns nur eingeschränkt verfügbar. Als müsste man sich damit zufriedengeben, dass es eben nicht ganz passt.

Wo wir uns selbst zurücknehmen

Ich erlebe es immer wieder – und vielleicht kennst du das auch.

Es passiert nicht laut. Es ist kein bewusster Entschluss.
Es ist eher ein schleichender Prozess.

In der Liebe fangen wir an, unsere Ansprüche zu relativieren.
Wir erklären uns, warum etwas „eigentlich ganz okay“ ist, obwohl es sich nicht wirklich stimmig anfühlt. Wir sagen uns, dass man nicht zu viel erwarten sollte.

Im Beruf passiert etwas Ähnliches.
Man bleibt in einer Situation, die nicht wirklich erfüllt, weil sie sicher ist. Weil man gelernt hat, dass man froh sein sollte, überhaupt etwas zu haben.

Und beim Thema Geld wird es oft noch deutlicher.
Der Wunsch nach mehr Freiheit oder Leichtigkeit wird schnell klein gemacht oder mit einem unguten Gefühl verbunden.

Wenn ich es zusammenfasse, geht es selten darum, dass etwas nicht möglich ist.
Es geht viel häufiger darum, dass wir uns innerlich nicht erlauben, es wirklich in Betracht zu ziehen.

Wie wir unsere eigenen Standards senken

Was mich dabei besonders beschäftigt, ist, wie selbstverständlich wir anfangen, unsere eigenen Maßstäbe abzusenken.

Nicht auf einmal. Sondern Schritt für Schritt.

Wir gewöhnen uns an Dinge, die sich eigentlich nicht richtig anfühlen.
Wir passen uns an.
Und irgendwann nennen wir genau das „Realität“.

Gerade in der Liebe zeigt sich das sehr klar.
Wir sagen uns, dass wir realistisch sein sollten. Dass wir nicht zu viel erwarten dürfen. Dass es normal ist, Kompromisse zu machen.

Und natürlich gehören Kompromisse dazu.
Aber es gibt einen Unterschied zwischen einem bewussten Kompromiss und dem stillen Aufgeben der eigenen Bedürfnisse.

Dasselbe zeigt sich im Beruf.
Oder beim Thema Geld.

Wir hören auf, weiterzudenken.
Nicht, weil wir es nicht könnten – sondern weil wir es uns nicht mehr erlauben.

Wie wir uns begrenzen – und es zulassen

Es bleibt aber nicht bei dem, was wir uns selbst erzählen.

Wir geben diese Haltung auch weiter.
Wir sagen anderen, sie sollten realistisch bleiben.
Dass sie es nicht zu groß denken sollen.

Und gleichzeitig lassen wir zu, dass andere das bei uns tun.

Dass jemand unsere Vision infrage stellt.
Dass jemand unsere Sehnsucht belächelt.
Dass jemand entscheidet, was machbar ist und was nicht.

Oft passiert das ganz subtil.
Und oft nehmen wir es einfach an, ohne es wirklich zu prüfen.

Warum sich unser Leben daran anpasst

Das Entscheidende ist: Diese Überzeugungen bleiben nicht ohne Wirkung.

Sie beeinflussen, wie wir denken, wie wir entscheiden und wie wir handeln.

Wenn du innerlich davon ausgehst, dass etwas nicht möglich ist, wirst du dich entsprechend verhalten. Du wirst vorsichtiger sein, schneller zweifeln und weniger Raum einnehmen.

Und genau dadurch bestätigst du dir am Ende das, was du ohnehin schon geglaubt hast.

Henry Ford hat es einmal sehr klar formuliert:
„Ob du glaubst, du schaffst es, oder ob du glaubst, du schaffst es nicht – du wirst in beiden Fällen recht behalten.“

Das ist kein motivierender Spruch.
Es beschreibt einen Zusammenhang, den man im Alltag sehr gut beobachten kann.

Die Ironie...

Und genau hier entsteht für mich eine gewisse Ironie.

Wir tun Disney als unrealistisch ab.
Als Märchen, als Fantasie, als etwas, das mit dem echten Leben nichts zu tun hat.

Und gleichzeitig stammt von dort ein Satz, der genau das beschreibt, was wir aus Psychologie, Coaching und Mentaltraining kennen:

„If you can dream it – you can be it.“

Wir lehnen die Oberfläche ab, aber das Prinzip dahinter wirkt trotzdem.

Unsere inneren Bilder beeinflussen unser Verhalten.
Und unser Verhalten beeinflusst unser Leben.

Warum wir Zeichen oft übersehen

Und dann gibt es diese Momente, die eigentlich nicht so gut in dieses „realistische“ Bild passen.

Begegnungen, die genau zur richtigen Zeit entstehen.
Gedanken, die sich im Außen bestätigen.
Situationen, die sich plötzlich fügen.

Doch statt sie ernst zu nehmen, relativieren wir sie oft sofort.

Wir nennen es Zufall.
Eine Kleinigkeit.
Etwas, dem wir nicht zu viel Bedeutung geben sollten.

Vielleicht, weil wir gelernt haben, dass es sicherer ist, Dinge klein zu halten, als ihnen zu vertrauen.

Ein erster Schritt für dich

Vielleicht musst du gar nicht sofort etwas verändern.

Aber du kannst anfangen, genauer hinzuschauen.

Wo gibst du dich gerade mit weniger zufrieden, als du eigentlich willst?
Wo hast du deine Ansprüche gesenkt?
Und wo hast du begonnen zu glauben, dass es nicht anders geht?

Vielleicht...

Vielleicht geht es nicht darum, dass das Leben Disney ist.
Vielleicht geht es darum, dass wir aufgehört haben zu glauben, dass es für uns möglich ist.

Vielleicht geht es auch darum, dass wir uns wieder erlauben, mehr zu wollen.

In der Liebe.
Im Beruf.
Im Leben.

Nicht, weil alles leicht wird.
Sondern weil wir aufhören, uns selbst zu begrenzen.

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